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Leber
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Die Leber (lateinisch iecur, griechisch Hepar, altgriechisch áź§ĎÎąĎ há¸par) ist das zentrale Organ des Stoffwechsels und die grĂśĂte DrĂźse des KĂśrpers bei Wirbeltieren. Die wichtigsten Aufgaben sind die Produktion lebenswichtiger Proteine (z. B. Gerinnungsfaktoren), die Verwertung von Nahrungsbestandteilen (z. B. Speicherung von Glykogen und Vitaminen), die Galleproduktion und damit einhergehend der Abbau und die Ausscheidung von Stoffwechselprodukten, Medikamenten und Giftstoffen (siehe dazu Enterohepatischer Kreislauf). Nährstoffe, die aus dem Darm ins Blut aufgenommen werden, gelangen Ăźber die Pfortader (Vena portae) zur Leber und werden dann von dieser je nach Bedarf ans Blut abgegeben oder aus dem Blut entfernt. Sie besteht aus einer linken und rechten Leberhälfte.
Beim Menschen liegt die Leber im rechten Oberbauch direkt unter dem Zwerchfell und ragt mit den linken Anteilen bis in die linke Hälfte des Oberbauchs.
Contents
⢠Etymologie
⢠Aufbau der Leber
⢠Leberbänder
⢠Leberenzyme
⢠Redensarten
⢠Siehe auch
⢠Literatur
⢠Weblinks
⢠Einzelnachweise
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Etymologie
Der altgermanische Name (mittelhochdeutsch leber[e], althochdeutsch lebara) lässt sich nicht sicher deuten. Die Benennung kann eine substantivierte Adjektivbildung zu (kleben) bleiben sein und wĂźrde dann eigentlich âdie Klebrige, die Ălige, die Fetteâ bedeuten. Andererseits kann das Wort eine Bildung zum Verb leben sein, da die Leber bis ins 17. Jahrhundert als Blut bildendes Organ und wie das Herz als âSitz des Lebensâ galt.cite-ref-1[1] Das wahrscheinlich mit dem lateinischen Neutrum iecur verwandte altgriechische Wort há¸par (zu altindisch yĂĄkášt bzw. avestisch yÄkarÉ), in der medizinischen Fachterminologie Hepar (mittellateinisch auch Eparcite-ref-2[2]), geht auf eine indogermanische Wurzel *(H)iĚŻequĚŻáš- zurĂźck.cite-ref-3[3]cite-ref-4[4]
Aufbau der Leber
Menschliche Leber
Die menschliche Leber wiegt etwa 1500 bis 2000 g und ist ein weiches, gleichmäĂig strukturiertes Organ, das sich grĂśĂtenteils im rechten Oberbauch befindet. Sie lässt sich in zwei groĂe Leberlappen unterteilen. Der rechte Leberlappen (Lobus dexter) liegt unter dem Zwerchfell und ist mit diesem teilweise verwachsen. Er ist grĂśĂer als der linke Leberlappen (Lobus sinister), der bis in den linken Oberbauch reicht. AuĂerdem gibt es zwei weitere, kleinere Leberlappen: den quadratischen Lappen (Lobus quadratus) und den âgeschwänztenâ Lappen (Lobus caudatus). Die Eingeweidefläche des rechten Leberlappens weist eine Eindellung durch die rechte Niere auf, den Niereneindruck (Impressio renalis).
Versorgung
An der Unterseite der Leber liegt die sogenannte Leberpforte (Porta hepatis), ßber die die Pfortader und die Leberarterien in die Leber eintreten und ßber die der Gallengang sie verlässt. Die Leberarterie (Arteria hepatica propria) transportiert das sauerstoffreiche Blut vom Herzen, die Pfortader fßhrt Blut mit Nahrungsbestandteilen aus Magen und Darm, mit Abbauprodukten der Milz sowie mit Hormonen der Bauchspeicheldrßse zur Leber. Dabei wird die Leber zu etwa 25 % mit sauerstoffreichem Blut der Leberarterie und zu etwa 75 % mit dem Blut der Pfortader versorgt.
Lymphabfluss
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Hauptartikel
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Lymphatisches System
Die Leber produziert 25â50 % der Lymphe des Ductus thoracicus, der die gesamte Lymphe der unteren KĂśrperhälfte aufnimmt.cite-ref-5[5] Die Menge steigt bei Erkrankungen, die eine Leberstauung verursachen, wie Herzinsuffizienz, noch an.cite-ref-6[6] Die Lymphe entsteht in den Lebersinusoiden im Disseschen Raum und erreicht die ersten Kapillaren der LymphgefäĂe in den Periportalfeldern. Die LymphgefäĂe konvergieren zum Leberhilus und mĂźnden in die Leberlymphknoten. Von dort flieĂt die Lymphe Ăźber ein Netzwerk von peripankreatischen und paraaortalen Lymphknoten in die Cisterna chyli. Zusätzlich gibt es sublobuläre LymphgefäĂe, die entlang der Lebervenen zur Vena cava inferior flieĂen. Eine geringe Menge kapsulärer LymphgefäĂe befindet sich an der cranialen, convexen Leberkapsel und flieĂt direkt ins Mediastinum.cite-ref-7[7]
Funktionelle Aufteilung der menschlichen Leber
Die menschliche Leber wird nach Claude Couinaud (1922â2008) in acht Segmente unterteilt.cite-ref-8[8] Diese traditionelle Unterteilung wurde in neueren Untersuchungen jedoch infrage gestellt, die â individuell variierend â 9 bis 44 sekundäre Ăste der Pfortader nachwiesen.cite-ref-9[9] Eine Anekdote behauptet, Couinaud habe sich bei der Nummerierung der Segmente an den Pariser Arrondissements orientiert. Er selbst verwies diese Behauptung in den Bereich moderner Sagen.cite-ref-10[10] Trotz der relativen Ungenauigkeit der traditionellen Segmenteinteilung wird sie bis heute unverändert als Standard benutzt zur anatomischen und chirurgischen Orientierung.
Da die menschliche Leber â im Gegensatz zu der vieler Tiere â nur wenige Fissuren zeigt, ist die Zweiteilung durch das Ligamentum falciforme hepatis (siehe Leberbänder) sehr auffällig. Sie hat zu der älteren anatomischen Einteilung in einen linken und rechten Lappen gefĂźhrt. Die funktionelle und eigentliche Grenze (die Rex-Cantlie-Linie) verläuft senkrecht von Gallenblase bis zur unteren Hohlvene und teilt die Leber auf in zwei Leberhälften (HÄmihÄpata).cite-ref-11[11] Durch die Aufzweigung der Pfortader wird die Leber horizontal in eine obere (kraniale) und eine untere (kaudale) Segmentgruppe eingeteilt.
⢠Linke Leberhälfte:
⢠Segment 1 â Lobus caudatus
⢠Segment 2 â kranialer Teil des Segmentum laterale
⢠Segment 3 â kaudaler Teil des Segmentum laterale
⢠Segment 4 â Lobus quadratus
⢠Segment 4a â kranialer Teil
⢠Segment 4b â kaudaler Teil
⢠Rechte Leberhälfte:
⢠Segment 5 â kaudaler Teil des Segmentum anterius
⢠Segment 6 â kaudaler Teil des Segmentum posterius
⢠Segment 7 â kranialer Teil des Segmentum posterius
⢠Segment 8 â kranialer Teil des Segmentum anterius
Eine Expertengruppe der International Hepato-Pancreato-Biliary Association verĂśffentlichte im Jahr 2000 eine Neudefinition der anatomischen Lebereinteilungen, die Brisbane-Terminologie genannt wurde.cite-ref-12[12] Diese Terminologie verbreitete sich weltweit und wird allgemein benutzt. Neu ist:
⢠Die Verwendung von arabischen Zahlen anstatt rÜmischen fßr die Segmentzuordnung.
⢠Die Einfßhrung des Begriffes Sektor, womit eine funktionelle Einheit zweier ßbereinander liegender Segmente definiert wird.
Leber bei anderen Säugetieren
Die Leber nimmt beim Hund etwa 4 %, beim Schwein 3 % und bei Pflanzenfressern bis zu 1,5 % der KĂśrpermasse ein. Die Säugetierleber ist prinzipiell in den linken Leberlappen (Lobus sinister), den rechten Leberlappen (Lobus dexter), den quadratischen Lappen (Lobus quadratus) und den âgeschwänztenâ Lappen (Lobus caudatus) gegliedert. Bei Raubtieren sind rechter und linker Leberlappen nochmals unterteilt (Lobus dexter lateralis und medialis sowie Lobus sinister lateralis und medialis) und der Lobus caudatus besitzt zwei Fortsätze (Processus caudatus und Processus papillaris). Beim Schwein sind rechter und linker Leberlappen ebenfalls unterteilt, ein Processus papillaris ist jedoch nicht ausgebildet. Beim Pferd ist nur der linke Leberlappen unterteilt, ein Processus papillaris fehlt. Bei Wiederkäuern sind rechter und linker Leberlappen ungegliedert, der Lobus caudatus besitzt einen Processus caudatus und einen Processus papillaris. In die Eingeweidefläche drĂźckt sich bei Wiederkäuern der Netzmagen in die Leber ein und verursacht eine seichte Eindellung (Impressio reticularis), ebenso der Blättermagen (Impressio omasica). Der obere Rand der Leber (Margo dorsalis) ist abgerundet und wird daher auch als Margo obtusus bezeichnet. Der bauchseitige Rand (Margo ventralis) ist dagegen scharf und daher Margo acutus genannt.cite-ref-13[13]
Leberbänder
Die Leber ist ßber mehrere Bänder in der BauchhÜhle befestigt. Diese Bänder stellen keine Bindegewebsstrukturen dar, sondern Doppelfalten (Duplikaturen) des Bauchfells:
⢠Ligg. triangulare dextrum et sinistrum
⢠Lig. coronarium
⢠Lig. falciforme hepatis
⢠Lig. teres hepatis (rundes Leberband, Ăberrest der Nabelvene)
⢠Lig. venosum (obliterierter Ductus venosus der Nabelvene)
⢠Lig. hepatocolicum.
Mit dem Zwerchfell ist der hintere (dorsale) Leberrand Ăźber das Ligamentum coronarium verbunden. Das Ligamentum coronarium geht beidseits in das dreieckige Ligamentum triangulare dextrum bzw. sinistrum Ăźber, welche die sogenannte nackte Fläche der Leber (Area nuda) mit direktem Kontakt zum Zwerchfell ohne zwischenliegendes Bauchfell umkreisen. Auf der Zwerchfellseite zieht vom Ligamentum coronarium das Ligamentum falciforme hepatis (âsichelfĂśrmiges Leberbandâ) rechtwinklig zur Bauchseite (ventral). Das Ligamentum falciforme hepatis zieht ursprĂźnglich bis zum Bauchnabel, denn es stellt beim Fetus das GekrĂśse der Nabelvene dar. Die Nabelvene selbst verschlieĂt sich unmittelbar nach der Geburt und bleibt als rundlicher bindegewebiger Strang erhalten, der als Ligamentum teres hepatis durch den freien Rand des Ligamentum falciforme hepatis zieht und als Ligamentum venosum hepatis die Venae hepaticae bzw. die Portalvene erreicht.
Zur BauchhÜhlenseite ist die Leber mit dem Magen und dem Duodenum ßber das kleine Netz (Omentum minus) verbunden. Die Appendix fibrosa fixiert den linken Leberlappen zusätzlich am Zwerchfell.
Feinbau der Leber
Die Leberlappen sind von einer Bindegewebskapsel umgeben, die auch als Leber- oder Glisson-Kapsel bezeichnet wird. Von ihr ziehen Stränge in das Innere, die sich im histologischen Schnitt als Portalfelder darstellen. Sie unterteilen die Leberlappen in winzige Leberläppchen (max. 1â2 mm). Diese, im Anschnitt sechseckige, Gebilde, bestehen vorwiegend aus Leberzellen (Hepatozyten). Die Hepatozyten haben meist mehrere Zellkerne und sind in Strängen angeordnet (âLeberzellbalkenâ). An den Eckpunkten benachbarter Leberläppchen liegen die Portalfelder. In diesen Feldern verläuft jeweils eine Arteria interlobularis (ein Ast der Leberarterie), eine Vena interlobularis (ein Ast der Pfortader) und ein Gallengang (Ductus biliferus). Diese GefäĂe bezeichnet man als Glisson-Trias (Glissonsches Dreieck). Die Glisson-Trias ist beim Menschen im Mikroskop weniger ausgeprägt zu erkennen als bei manchen Tieren, z. B. Schwein, Ratte (s. Abb.).
Zwischen den Leberzellen liegen die erweiterten Kapillaren der Leber (Lebersinusoide) angeordnet. Diese Sinusoide sind von einem diskontinuierlichen Endothel (Basallamina fehlt) ausgekleidet und enthalten spezielle Makrophagen, die Kupffer-Zellen (alte Bezeichnung Kupffer'sche Sternzelle). Die Sinusoide transportieren das Blut der Pfortader zusammen mit dem Blut aus der Leberarterie durch die Leberläppchen in Richtung der Läppchenzentren, wo es jeweils von einer Zentralvene (Vena centralis) aufgenommen wird. Die Zentralvenen vereinigen sich zu grĂśĂeren Venen (Venae sublobulares) und mĂźnden schlieĂlich in die meist drei Lebervenen (Venae hepaticae).
Den Spaltraum zwischen den Endothelzellen der Lebersinusoide und den Leberzellen nennt man den Disse-Raum (nach Josef Disse), in dem der eigentliche Stoffaustausch zwischen Blut und Hepatozyten stattfindet. Im Disse-Raum befindet sich Blutplasma, weiterhin die sog. Ito-Zellen, die Vitamin A enthalten und der Fettspeicherung dienen. AuĂerdem gelten sie als Produzenten der intralobulären Bindegewebsfasern und erlangen pathophysiologische Bedeutung im Rahmen der Leberzirrhose.cite-ref-15[15]
Die Gallenkapillaren sind innerhalb der Leberläppchen nur Vertiefungen der Leberzellen, erst nach dem Austritt aus den Läppchen bekommen sie eine eigene Wand und werden zu den Gallengängen mit einem einschichtig-prismatischen Epithel. Aus den kleinen Gallengängen eines Portalfeldes flieĂt die Galle Ăźber grĂśĂere Gallengänge aus der Leber.
Neben der oben beschriebenen Einteilung der Leber in die klassischen Zentralvenen-Läppchen (Lobulus), ist die Einteilung in Leberazini (Singular: Leberazinus) hilfreich. Hierbei handelt es sich eher um eine funktionelle als um eine histologische Betrachtungsweise. Die mittlere Achse eines Azinus stellt ein BĂźndel mit den terminalen Zweigen der Versorgung, also den GefäĂen des Glisson-Trias dar, die ja am Rand des klassischen Läppchens verlaufen. Der Vorteil dieser Einteilung ist, dass sie berĂźcksichtigt, dass ein VersorgungsbĂźndel das Blut in beide benachbarten Läppchen entlassen kann.cite-ref-16[16]
Die am nächsten am Versorgungsbßndel liegenden Hepatozyten werden am besten mit Sauerstoff und Nährstoffen beliefert, weshalb dieser Bereich als Zone 1 des Azinus bezeichnet wird. Weiter zum Zentrum des klassischen Läppchens liegen dann die Zonen 2 und 3.cite-ref-17[17]
Leistungen der Leber
Von 1850 bis 1857 fĂźhrte Claude Bernard Studien Ăźber Glykogen und Zuckerbildung in der Leber durch. Erste bedeutende Tierversuche zur wissenschaftlichen Erforschung der Leberfunktion wurden von 1885 bis 1888 von Oskar Minkowski und Bernhard Naunyn durchgefĂźhrt und publiziert.cite-ref-18[18] Die Leber ist eng in die Steuerung des Glukose-, Fett- und EiweiĂstoffwechsels eingebunden. Glukose wird vom Darmblut aufgenommen und kontrolliert an den restlichen KĂśrper weitergegeben. Ein Ăberschuss wird als Glykogen gespeichert. Bei Energiebedarf wird der Speicherstoff zu Glukose gewandelt. Die Leber beeinflusst â gesteuert durch Hormone wie Insulin und Glucagon â den BlutzuckerÂspiegel und kann ihn, von der Nahrungsmittelzufuhr unabhängig, konstant halten. Insulin bewirkt in der Leber die Umwandlung des Zuckers in die Speicherform Glykogen und hemmt den Abbau von Fett. Das Hormon Glucagon regt seinerseits die Leber zum Glykogenabbau an und agiert somit als Gegenspieler (Antagonist) vom Insulin.
⢠Syntheseleistungen:
⢠Gluconeogenese (Neubildung von Traubenzucker) aus z. B. Glycerin, Lactat/Pyruvat und manchen Aminosäuren
⢠KetonkĂśrperÂsynthese
⢠Synthese von Cholesterin und den hieraus abgeleiteten Gallensäuren
⢠Synthese von Fettsäuren
⢠Synthese von BluteiweiĂen wie
⢠Albumin
⢠Globuline (auĂer Gamma)
⢠Speicherung von
⢠Glucose in Form von Glykogen
⢠Fett in Form von Lipoproteinen
⢠einigen Vitaminen
⢠Blut
⢠Bildung der Galle
⢠Abbau und Entgiftung â hierbei sind besonders die Cytochrom P450-abhängigen Enzyme beteiligt â von:
⢠geschädigten und alten Erythrozyten durch Kupffer-Zellen (Leberspezifische Makrophagen)
⢠Bilirubin (Abbauprodukt des Hämoglobins)
⢠Steroidhormonen
⢠Medikamenten/Giften
⢠Blutbildung beim Fetus bis zum 7. SchwangerschaftsÂmonat (hepato-lienale Periode)
⢠die Regulierung des Vitamin- und SpurenelementÂstoffwechsels
Die Leber hat im Vergleich zu anderen Organen des KÜrpers eine relativ ausgeprägte Fähigkeit zur Regeneration. Stirbt ein Teil ab, wird die Leber verletzt oder sonst beschädigt, so kann das betroffene Gewebe wieder neu gebildet werden. Voraussetzung fßr eine Neubildung ist, dass die Ursache der Verletzung entfernt wurde, weniger als fßnfzig Prozent der funktionellen Masse des Organs geschädigt wurden und die Leber ihre Regenerationsfähigkeit bei der Verletzung hat aufrechterhalten kÜnnen. Diese Eigenschaft wird bei Lebertransplantationen oft ausgenutzt. Vernarbungen wie beispielsweise bei Hautverletzungen treten hierbei nicht auf.
Die Regenerationsfähigkeit der Leber schlägt sich bereits in der griechischen Mythologie nieder: In der Sage des Prometheus wird dieser zur Strafe fĂźr die Ăbergabe des Feuers an die Menschen an einem Felsen festgeschmiedet. Ein Adler hackt täglich einen Teil seiner Leber heraus, der bis zum nächsten Tag nachwächst.
Leberenzyme
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Hauptartikel
:
Leberenzyme
Die Blutuntersuchung der Leberenzyme gibt bei Lebererkrankungen Hinweise auf Art und AusmaĂ der Erkrankung (Leberwerte). Enzyme werden wie Ăźberall im KĂśrper auch in der Leber benĂśtigt, um die Stoffwechselleistungen der Leber aufrechtzuerhalten. Im Normalfall sind diese EiweiĂe Bestandteile des Zytoplasmas der Leberzellen (Hepatozyten). Jedoch werden diese Enzyme auch von anderen Geweben produziert und sind nicht ausnahmslos der Leber zuzuordnen. Bei Schädigung der Leberzellen treten diese Enzyme im Blutserum erhĂśht auf. Je nachdem, welche Enzyme erhĂśht sind, kann man oft auf die Art der Erkrankung schlieĂen. Die HĂśhe des Enzymanstiegs im Serum entspricht dabei dem AusmaĂ der Schädigung der Leberzellen. Da diese Enzyme nur ins Blut gelangen, wenn Leberzellen zerstĂśrt werden, ist vor allem eine zu hohe Konzentration ein Indikator fĂźr eine Erkrankung der Leber. Die Leberwerte kĂśnnen im kleinen Blutbild kontrolliert werden. Ursache von Zellschäden kĂśnnen unter anderem Virusinfektionen, Alkohol, Vergiftungen oder Tumoren sein. Alle Enzyme in den Leberzellen kommen auch in anderen KĂśrperzellen vor, wie zum Beispiel im Herzen und in der Skelettmuskulatur. Dennoch sind manche Enzyme nur bei Leberzellschäden im Serum (flĂźssiger Bestandteil des Blutes ohne Fibrinogen) erhĂśht.
Oft gemessene Leberenzyme sind:
⢠GOT = AST = ASAT = Glutamat-Oxalacetat-Transaminase/Aspartat-Aminotransferase: ErhÜht bei Vergiftung durch Alkohol oder andere toxische Stoffe, bei Entzßndung und Leberstauung, besonders bei akuten Lebererkrankungen.
⢠GPT = ALT = ALAT = Glutamat-Pyruvat-Transaminase/Alanin-Aminotransferase: Analysiert wird der Quotient AST/ALT. Ein Wert zwischen 0.8 und 1.0 deutet auf einen leichten Leberschaden hin, liegt der Wert ßber 1.0 gilt das als Indikator fßr einen schweren Leberschaden. MÜgliche Ursachen sind ein Tumor, Entzßndung oder Vergiftung der Leber.
⢠Gamma-GT = γ-GT = GGT = Gamma-Glutamyl-Transferase: Eine ErhÜhung dieses Wertes im Blutbild ist Folge einer Vergiftung oder eines Gallenstaus in der Leber.
⢠AP = Alkalische Phosphatase: Wird ein erhÜhter Wert im Blutbild gemessen, kann dies ein Hinweis auf ein Leberkarzinom, Leberzirrhose, Hepatitis oder Gallenstau sein.
Schäden und Krankheiten (Hepatopathien)
hepatopathie
⢠Fettleber (infolge einer Leberverfettung)
⢠Speckleber (Amyloidose)
⢠Hepatitis (Leberentzßndung)
⢠weitere entzßndliche Lebererkrankungen (Entzßndungen der Leber) wie Leberabszess und Lebertuberkulose
⢠Gelbsucht (Ikterus)
⢠Hämochromatose (Eisenspeicherkrankheit)
⢠Leberegel
⢠GroĂer Leberegel (Fasciola hepatica)
⢠Kleiner Leberegel (Dicrocoelium lanceolatum)
⢠Chinesischer Leberegel (Clonorchis sinensis)
⢠Leberkokzidiose
⢠Leberkolik (bei Cholezystolithiasis)cite-ref-20[20]
⢠Lebersarkoidose
⢠Leberzirrhose (Leberverhärtung)
⢠Leberatrophie
⢠Pfortaderhochdruck (mit Ăsophagusvarizen)
⢠Pfortaderthrombose
⢠Eine Leberschrumpfung kann zur Schrumpfleber fßhren.cite-ref-21[21]
⢠Eine LebervergrĂśĂerung fĂźhrt zur Hepatomegalie.
⢠Lebersternchen (Eppinger-Sternchen, Spider naevi)cite-ref-22[22]
⢠Leberversagen (Leberinsuffizienz), Leberdystrophie und Lebernekrose
⢠hepatorenales Syndrom als Folge einer Bauchwassersuchtcite-ref-25[25] oder Leberwassersuchtcite-ref-26[26]
⢠immunologische Lebererkrankungen (Autoimmunhepatitis)
⢠Lebermetastasen
⢠Parasitosen der Leber wie die Leber-Echinokokkose
⢠Leberzellkarzinom (Leberkarzinom, Leberkrebs, Carcinoma hepatis)
⢠Leberabszesse (Hepatapostema)cite-ref-27[27]
⢠Caroli-Syndrom
⢠Byler-Syndrom (syn. progressive familiäre intrahepatische Cholestase, PFIC)
⢠Alagille-Syndrom
⢠Porphyrie
⢠Reye-Syndrom
⢠MottenfraĂnekrose (Leberzellnekrose)
⢠Morbus Meulengracht (Morbus Gilbert)
⢠Morbus Wilson (Kupferspeicherkrankheit)
⢠Toxische Leberschäden (durch Vergiftungen)
⢠Xanthomatose
⢠Zystenleber (Leberveränderung durch viele Leberzysten)
Die Geschichte der Leberchirurgie begann im 19. Jahrhundert.cite-ref-28[28]
Redensarten
Da man frĂźher die Leber als den Sitz der GefĂźhle, in der Antike insbesondere negativer Emotionen wie Hass, Neid und Zorn,cite-ref-29[29] und der Temperamente sowie als Urheber des Blutes und von Trieben ansah,cite-ref-30[30] wurde sie zum Gegenstand mehrerer Redensarten.cite-ref-31[31] Heute noch gilt die Leber, von der ja die âGalleâ ausgeht, als Sitz des Zorns.cite-ref-sprachbrockhaus365-32-0[32] Beispiele fĂźr entsprechende Redensarten:
⢠âDie beleidigte Leberwurst spielenâ bedeutet âohne triftigen Grund beleidigt oder gekränkt seinâ.
Leber als Lebensmittel
Die Leber verschiedener Tiere eignet sich fßr den Verzehr und ist Bestandteil vieler Kßchen, siehe Leber (Lebensmittel). Als Arznei und Stärkungsmittel wird Lebertran verwendet, der aus verschiedenen Fischarten gewonnen wird.
Leber in Kultur und Gesellschaft
In der griechischen Mythologie wurde Prometheus, von den GĂśttern bestraft, da er den Menschen das Feuer gegeben hat. Er wurde von ihnen an einen Fels gekettet und dazu verdammt, dass ein Geier jeden Tag seine Leber verspeist, welche sich Ăźber Nacht regeneriert (die Leber ist das einzige innere menschliche Organ, welches dazu in der Lage ist sich in groĂen Teilen selbst zu regenerieren). Ferner ist in der Humoralpathologie die Leber mit dem Element Feuer verbunden,cite-ref-34[34] wobei eine ĂźbermäĂige âHitzeâ der Leber als Ursache von Krankheiten sowie des cholerischen Temperaments galt.cite-ref-35[35] In der Heilkunde wurden von altägyptischer Zeit bis ins Mittelalter Lebern von Hunden (insbesondere âtobendenâ), ZiegenbĂścken, WĂślfen, Eseln oder Schweinen verwendet.cite-ref-36[36]
Siehe auch
⢠Hepatologie
⢠Leberpunktion
⢠LiMAx-Test
⢠Calot-Dreieck
⢠Campolon
⢠Leberhautzeichen, Leberfleck (Hautveränderungen)
⢠Leberparenchym
⢠Gallenfarbstoffe
⢠Gallenstein
⢠Leberbrand (Viehkrankheit)cite-ref-deutschesw-rterbuch520-33-3[33]
⢠Leberschau (Hepatoskopie)
⢠âSäuferleberâ bei einer Alkoholkrankheit
Literatur
⢠Wolfgang F. Caspary u. a. (Hrsg.): Therapie von Leber- und Gallekrankheiten. Springer-Verlag, Berlin 2000, ISBN 3-540-67390-3.
⢠Helmut Denk u. a.: Pathologie der Leber und Gallenwege. (= Spezielle pathologische Anatomie. Band 10). Springer-Verlag, Berlin 2000, ISBN 3-540-65511-5.
⢠Hansludwig Hagen: Die physiologische und psychologische Bedeutung der Leber in der Antike, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, 1961.
⢠Erwin Kuntz, Hans-Dieter Kuntz: Praktische Hepatologie. Historie, Morphologie, Biochemie, Diagnostik, Klinik, Therapie. Barth, Heidelberg 1998, ISBN 3-335-00568-6.
⢠Ellen Schmidt u. a. (Hrsg.): Lebererkrankungen. Pathophysiologie, Diagnostik, Therapie. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2000, ISBN 3-8047-1640-7.
⢠Hans Adolf KĂźhn: Krankheiten der Leber. In: Ludwig Heilmeyer (Hrsg.): Lehrbuch der Inneren Medizin. Springer-Verlag, Berlin/GĂśttingen/Heidelberg 1955; 2. Auflage ebenda 1961, S. 847â875.
⢠Renate Lßllmann-Rauch: Taschenlehrbuch Histologie. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2006.
⢠Nikolaus Mani: Die historischen Grundlagen der Leberforschung; I: Die Vorstellungen ßber Anatomie, Physiologie und Pathologie der Leber in der Antike; II: Die Geschichte der Leberforschung von Galen bis Claude Bernard. Basel und Stuttgart 1959 und 1967 (= Basler VerÜffentlichungen zur Geschichte der Medizin und der Biologie, 9 und 21).
⢠Heiner Wedemeyer: Das Leber-Buch. Wie halte ich meine Leber gesund? Neue Therapien und Stand der Forschung. Die Leber von A bis Z, vierte aktualisierte und erweiterte Auflage, Humboldt, Hannover 2021, ISBN 978-3-8426-3043-7.
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⢠SonoAtlas Ein Ultraschallatlas der Leber
Einzelnachweise
cite-note-11. â Das HerkunftswĂśrterbuch (= Der Duden in zwĂślf Bänden. Band 7). 2. Auflage. Dudenverlag, Mannheim 1989, S. 409. Leber. In: Digitales WĂśrterbuch der deutschen Sprache. Friedrich Kluge: Etymologisches WĂśrterbuch der deutschen Sprache. 7. Auflage. TrĂźbner, StraĂburg 1910, S. 281 (daten.digitale-sammlungen.de).
cite-note-22. â Vgl. etwa Otto BeĂler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 181 (âEpar â id est [âŚ] lebereâ).
cite-note-33. â Alois Walde: Lateinisches etymologisches WĂśrterbuch. 3. Auflage, besorgt von Johann Baptist Hofmann, 3 Bände. Heidelberg 1938â1965, Band 1, S. 673.
cite-note-44. â Johann Baptist Hofmann: Etymologisches WĂśrterbuch des Griechischen. R. Oldenbourg Verlag, MĂźnchen 1950, S. 108 f.
cite-note-66. â A. E. Dumont, R. H. Clauss, G. E. Reed, D. A. Tice: LYMPH DRAINAGE IN PATIENTS WITH CONGESTIVE HEART FAILURE. COMPARISON WITH FINDINGS IN HEPATIC CIRRHOSIS. In: The New England Journal of Medicine. Band 269, 31. Oktober 1963, ISSN 0028-4793, S. 949â952, doi:10.1056/NEJM196310312691804, PMID 14056641.
cite-note-88. â C. Couinaud: Le Foie. Etudes anatomiques et chirurgicales. Masson & Cie, Paris 1957.
cite-note-1111. â Keith L. Moore, Arthur F. Dalley: Clinically oriented Anatomy. 5. Auflage. Lippincott Williams & Wilkins, 2006, ISBN 0-7817-3639-0, S. 293.
cite-note-1313. â Franz-Viktor Salomo: Anatomie fĂźr die Tiermedizin. Enke Stuttgart, 4. Auflage 2020, ISBN 978-3-13-242675-7, S. 333â335.
cite-note-141. Hans Frick, Helmut Leonhardt, Dietrich Starck: Spezielle Anatomie. Band 2, Georg Thieme Verlag, Stuttgart 1992, ISBN 3-13-356904-X, S. 132.
cite-note-1515. â R. LĂźllmann-Rauch: Histologie. 2003, S. 340.
cite-note-1616. â Leber. (Grafik) In: tobias-schwarz.net. Abgerufen am 11. März 2023.
cite-note-1717. â Renate LĂźllmann-Rauch: Histologie. Verstehen â Lernen â Nachschlagen. Georg Thieme Verlag, Stuttgart.
cite-note-1818. â Paul Diepgen, Heinz Goerke: Aschoff/Diepgen/Goerke: Kurze Ăbersichtstabelle zur Geschichte der Medizin. 7., neubearbeitete Auflage. Springer, Berlin/GĂśttingen/Heidelberg 1960, S. 36 und 46.
cite-note-1919. â Was sind Leberwerte, wann werden Sie gefährlich und wie werden Sie behandelt? Abgerufen am 22. März 2019. [Sie statt sie im Original.]
cite-note-2020. â Meyers Kleines Lexikon, 9. Auflage, Band 2, Bibliographisches Institut, Leipzig 1933, S. 1359.
cite-note-2121. â GĂźnter Thiele (Hrsg.): Handlexikon der Medizin. Band 4: LâZ. Urban & Schwarzenberg, MĂźnchen / Wien / Baltimore ohne Jahr, S. 2194.
cite-note-2222. â Linus Geisler: "Krankenpflege", Innere Medizin. Band II, 10. Auflage, Verlag Wilhelm Kohlhammer, Stuttgart / Berlin / KĂśln / Mainz 1970, ISBN 3-17-007038-X, S. 34.
cite-note-2323. â Willibald Pschyrembel: Klinisches WĂśrterbuch, 267. Auflage, de Gruyter, Berlin / Boston 2017, ISBN 978-3-11-049497-6, S. 1030 und 1712.
cite-note-2424. â GĂźnter Thiele (Hrsg.): Handlexikon der Medizin. Band 4: SâZ. Urban & Schwarzenberg, MĂźnchen / Wien / Baltimore ohne Jahr, S. 2322.
cite-note-2525. â Meyers Kleines Lexikon. 9. Auflage, Band 2, Bibliographisches Institut, Leipzig 1933, S. 1359.
cite-note-2626. â Ludwig August Kraus: Kritisch-etymologisches medicinisches Lexikon. 3. Auflage, Verlag der Deuerlich- und Dieterichschen Buchhandlung, GĂśttingen 1844, S. 458 (Hepathyderos).
cite-note-2727. â Ludwig August Kraus: Kritisch-etymologisches medicinisches Lexikon. 3. Auflage, Verlag der Deuerlich- und Dieterichschen Buchhandlung, GĂśttingen 1844, S. 457.
cite-note-2828. â L. Tait: The surgery of the liver. In: Edinburgh Medical Journal. Band 35, 1889, S. 305 ff.
cite-note-2929. â Ferdinand Peter Moog: Galen liest âKlassikerâ â Fragmente der schĂśngeistigen Literatur des Altertums im Werk des Pergameners. In: Medizinhistorische Mitteilungen. Zeitschrift fĂźr Wissenschaftsgeschichte und Fachprosaforschung. Band 36/37, 2017/2018 (2020), S. 7â24, hier: S. 14 f. (zur âmit groĂen Eingeweidenâ charakterisierten zornigen und rachsĂźchtigen, aber auch [mit dem Herz] liebenden und [dem Gehirn] planvoll denkenden, Medea bei Euripides und zur nachwachsenden Leber des Prometheus als Quelle von dessen Auflehnung und Frevel).
cite-note-3030. â Jerry Stannard: Medieval hepatic therapy and some folk medical survivals. In: WĂźrzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 6, 1988, S. 207â223.
cite-note-sprachbrockhaus365-3232. â Der Sprach-Brockhaus. Eberhard Brockhaus Verlag, Wiesbaden 1949, S. 365.
cite-note-deutschesw-rterbuch520-3333. â Deutsches WĂśrterbuch. SchĂźlerbildungswerk, Verlag Hans Witte, 3. Auflage, Freiburg im Breisgau 1965, S. 520.
cite-note-3434. â Johannes Gottfried Mayer: Kräuterbuch der Klostermedizin. 2003, S. 30â41.
cite-note-3535. â Gundolf Keil: Die âCirurgiaâ Peters von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes (= Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm. Band 2). Stadtarchiv, Ulm 1961 (zugleich Philosophische Dissertation Heidelberg 1960: Peter von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes), S. 414.
cite-note-3636. â Otto BeĂler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 181.